<< | ^^ |

Texte

von
Prof. Dr. Franzke
Dr. Karen Bork
Dr. Gert Reising
Bruno Steiner
Dr. Dorothee Höfert

Carine Doerflinger begann ihr Studium im Bereich der Bildhauerei 1992 an der Karlsruher Kunstakademie. Schon 1993 trat sie mit ersten Arbeiten hervor, die ein hohes Maß an Eigenart besaßen.
Ich wurde auf sie aufmerksam und konnte seither ihre Entwicklung verfolgen. Ungemein aktiv und zugleich reflexiv in ihren Formulierungen einer eigenständigen künstlerischen Ausdrucksweise, blieb sie ihrer schon in ihren ersten Arbeiten anklingenden Auseinandersetzung mit körperlichen Befindlichkeiten treu.
Carine Doerflingers Arbeit und Denken zeichnet einerseits eine Vielfalt an Ansätzen in unterschiedlichen Medien und andererseits eine Stringenz im konzeptuellen aus. Beide Komponenten finden zu einer spannenden Balance in Prozessen der Visualisierung. ÜberraschendeAnschaulichkeit ist ein Charakteristikum, das jedem einzelnen Projekt eine eigene Note verleiht.
Die Künstlerin variiert keineswegs einmal formulierte Bildlösungen,sondern findet stets zu einer Bildsprache, in der thematische Vorgabe, technische Umsetzung, materieller Bezug und künstlerische Form zu einer konzentrierten Aussage führen.
Seit Abschluss 1998 ihres Studiums konnte Carine Doerflinger ihrer Professionalität noch erheblich steigern und anspruchsvolle Projekte realisieren. Intensität, hartnäckiges Verflechten ihrer Ideen, und deren Umsetzung in unterschiedlichen Medien, kennzeichnen ihren Werdegang.

Prof. Dr. Franzke, September 2004



^^ .....................................................................................................


Die Bildhauerin Carine Doerflinger im Porträt

Mensch in täglicher Manipulation
Gebürtige Straßburgerin studierte an der Karlsruher Kunstakademie

Das Atelier befindet sich in einem Hinterhof in der Karlstraße, ein großer, heller Raum, geräumig genug deshalb, weil die Kunstwerke sorgsam verpackt an der Wand aufgereiht stehen. Ein Ort, der Platz bietet für die raumgreifenden Arbeiten von Carine Doerflinger. Und doch ein Ort mit Tücken: Es regnet durchs Dach.
So stehen neben der Kunst die alltäglichen Sorgen: die Suche nach günstigem Atelierraum, nach einem zusätzlichen Job, der die Finanzen stützt und doch genügend Zeit lässt für das Eigentliche. Doch Umwege zu gehen, ist Carine Doerflinger gewöhnt.
Es hat sie ausdauernd, widerstandsfähig gemacht.
Die Sehnsucht nach Kunst stellte sich früh ein. Zunächst aber arbeitete die gebürtige Straßburgerin als Laborantin und Krankenschwester in der Psychiatrie. Als sie dann mit 32 Jahren doch den Schritt wagt, scheint es für ein Kunststudium fast zu spät. Zumindest in Frankreich, nicht aber in Deutschland; an der Karlsruher Akademie besucht sie die Bildhauerklassen von Balkenhol und Klingelhöller, wird Meisterschülerin und erhält 1998 ihr Diplom. Eine beschützte Zeit, wie Doerflinger meint. Und seitdem?
Viele gute, manchmal nur lehrreiche Schritte hat sie getan. Zu ersteren zählt der Auftrag für Kunst am Bau für die Frauenklinik Michelsberg in Ulm vor drei Jahren.
Carine Doerflinger entwarf eine Art Pavillon für den Dachgarten des Gebäudes - ein Refugium jenseits der nach Desinfektionsmitteln riechenden Gänge und der auf ein Krankenblatt zusammen geschnurrten Biografien.
Die Welt der Kranken ist Doerflinger nie fremd geworden. Menschliche Organe auf ihre formalen Eigenschaften zu befragen, war ein möglicher bildhauerischer Ansatz.
Und doch erschöpfen sich die Arbeiten nicht in der Form allein. Der Bildschirm zeigt die plastische Form eines Herzens, weiß - aus Zucker. Rote Tropfen fallen hinab (oder werden ausgestoßen), bis sich das Herz blutrot gefärbt hat und einfällt. Der Mensch, ein Mechanismus aus funktionierenden Organen und etwas greiflich nicht Fassbarem - das versteht sich von selbst -, doch was weiß man darüber? Mit dem Skalpell ist die Frage nicht zu beantworten. Die mit Leukoplast umwickelten chirurgischen Instrumente der Arbeit "Bitte bedienen Sie sich" taugen nicht mehr zum Sezieren. Die Antwort auf die Frage nach dem Menschen muss woanders liegen.
Manche sagen, sie suche in ihren Werken immer und stets aufs Neue den Schmerz darzustellen. Man kann aber auch wie Carine Doerflinger anführen, dass hinter ihrer Kunst immer der Mensch stehe. Abgekoppelt von den gesellschaftlichen Verheißungen auf Glück und Reichtum, was ist er mehr als ein Wesen voller Sehnsucht und Angst?
Carine Doerflingers Arbeiten handeln oft von Deformationen, Zurichtungen. Als Bildhauerin hat sie viel stärker als ihre malenden Kollegen die Freiheit der Materialwahl. Auf eine Säule, die ein Seil zu Wülsten zusammen schnürt, projiziert sie ein Gesicht.
Im Videofilm presst sie ihr eigenes gegen eine Glasscheibe. Oder wird sie vielmehr gequetscht? Wieviel Energie im Alltag auch auf das äußere Erscheinungsbild gelegt werden mag, die Verzerrungen entlarven das so genannte Schöne und Natürliche als Manipulation.

Sie ist empfindlicher geworden gegen gesellschaftliche Einflüsterungen. Das Video "Les hommes ont des cerveaux, les femmes ont des cervelles" (im Deutschen gibt es kein Wort für ein weibliches Gehirn) erzählt von der alltäglichen geschlechtsspezifischen Gehirnwäsche. Langsam wird das Gehirn durch einen Fleischwolf gedreht, während eine Stimme stereotyp Lob und Anerkennung spendet: "Du bist schön, du bist klug..."
Im Französischen mit seiner Möglichkeit der weiblichen und männlichen Endung zeichnen sich die Unterschiede deutlicher ab.
Für Doerflinger bedeuten die kulturellen Unterschiede keine künstlerische Hürde. Auch ihre Arbeit, für die sie dieses Jahr das Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg erhielt, basiert auf einem Sprachwitz. Fairefaire - ein roter Faden fährt den Refrain nach. Dass darin auch refaire (noch einmal machen) zu lesen ist, lässt die Stecknadeln, die den Faden lose fixieren, in einem anderen Licht erscheinen.

Dr. Karen Bork, B.N.N. Karlsruhe 19 August 2003



^^ .....................................................................................................


Das Schlimmste ist: Man hat alles gleich wieder vergessen. Es ist schlimm deswegen, weil es die eigenen Assoziationen waren, der eigene Anspruch, zu verstehen, was Sache war - und ist. Aber da ist nichts Sache. Es geht zu schnell. Sie werden präsentiert, sind da - und vergessen. Das ist Fernsehen.
Es ist das Bild des Vergessens. Es ist das Bild des Verdrängens. Es ist das Konzept einer Bildröhre, die dem Betrachter Tiefe suggeriert, obgleich das Ganze immer auf einer flachen Scheibe projiziert wird. Es ist die Endlosschleife, die sich dem Betrachter einprägt, es ist die alte Technik aus dem frühen 20. Jahrhundert, und es ist, wenn sie bei Computerspielen modernisiert ist, die Technik der Kriegssimualation, die dem Betrachter die Tiefensimulation und die Geschwindigkeit aufdrückt. Als sei Raum und Geschwindigkeit alles, Inhalt nichts. so sind es weniger die Informationen, sondern die Wiederholungen, die diese instabile Bildform ausmachen.
Carine Doerflinger bedient sich dieser Maschinerie, sie bedient die Gepflogenheiten des Pantoffelkinos, und sie präsentiert den Star. Die gesamte Maschinerie der Medienwelt ist aufgeboten. In den Zeitschriften werden Texte erscheinen über Herrn Weibel beim Besuch dieser Ausstellung, das Foto dazu zeigt ihn, wie er Tomi Ungerer, der der gerade aus New York zurückkam, die Hand schüttelt. Das ist interessant und wichtig.
Auch er bedauert die Terroranschläge zutiefst. Einmal im Leben ein Star zu sein ist Maxime des POP. Einmal sich selbst zu sein: Sie selbst: Carine Doerflinger, die berühmte Produzentin, Kamerafrau und begehrte Hauptdarstellerin, bekannt aus Film, Funk, Fernsehen und Haute Cuisine. Sie ist heute hier. Sie gibt Autogramme. Zehn unterschiedliche Postkarten sind vorbereitet: Avocado im Lebenskamf, die berühmte LaBelle im Sturm des Lebens, Louise Pasteur, die unbeirrbare Chemikerin im Kampf mit dem Kunststoff, das Meer säuft ab, Siegfrieds Kampf mit dem Meeresungeheuer, das Drama zwischen Polyphem und Polyp, ein Haustier appelliert an uns, der Tod und das Mädchen. Die silberne Zitrone. Alle zehn. Die Titel sind Teil eines Programms. Das läuft ab. Hier und heute, ringsum, um uns umher, in uns. Nebenbei: Haben Sie es gemerkt: Ein Video habe ich vergessen. Aber Sie können es ja nachholen, wieder hervorholen, wiederholen. Na?
Vergessen sie es. Sie haben es schon vergessen. Es geht Ihnen ja dennoch gut. Und Sie wollen sich ja auch nicht daran erinnern lassen, dass Melancholie alles durchzieht. Dazu sind diese Videos zu kurz. Sie sind so kurz wie die Medienwissenschaft, ich habe mich versprochen, die Werbewirtschaft es will: Alles hat seine drei Minuten.

Darin muss alles gesagt, muss alles eingebettet sein: Die Form und, wenn es sein muss, auch der Inhalt. Das läuft in Quanters ab: Drei Minuten Pop-Musik, drei Minuten Pop-Nachrichten. Erfahren tut man nichts, aber demokratisch mitreden darf man. Jeder hat einmal seine drei Minuten: Maggi macht's möglich, und Carine Doerflinger steht da in nichts nach. Deswegen sehen Sie sie ja immer im Fernsehen zwischen den Werbeblöcken, Sie kennen sie.

Können sie sich daran erinnern? Sie hat es gemacht, sie macht es wieder, sie wird es nie wieder machen. Aber: sie macht's. Alle diese Wiederholungen von Leben werden wie Libellen mit Stecknadeln aufgespießt und durch die Mediatisierung gezerrt. Dafür gibt es einen roten Faden, der alles durchwirkt. Der rote Faden ist die Metapher für eine gute Geschichte. Ich hoffe, Sie haben eine gute Geschichte, denn mir fällt keine ein. Ich habe sie vergessen, ich habe alles verdrängt.

Können sie sich noch erinnern? Da beim Eingang, das Foto? Erinnern sie sich noch? Doch, das ist Teil der Inszenierung. Alles ist ein kleines Paradies, aus dem wir kommen, hier, wo wir sind, dort, wohin wir gehen. Wir sind umschlossen, unsere Herzen verworren, verlorren ist das Schlüsselin.

Wenigstens ein Foto? Diese letzte Erinnerung an die Vergangenheit: So war es, so sah das aus. Es ist nach unten abgesunken. Es war ein kleines, eingezäuntes Paradies à la française, das war einmal, das ist es.

Es ist eine dirigierte Welt, das behaupte ich, ein domestizierter hortus conclusus, ein Paradiesgärtlein eines Straßburger Meisters, heute einer Straßburger Meisterin, Sie erinnern sich: jener Zauber einer Maria mit all ihren himmlischen Jungfrauen und Kräutlein und einem wunderhübschen Gärtlein aufs Feinste gemalt, aber Sie erinnern sich nicht, weil Sie flanierend, städtisch eilend in die Ausstellung rannten, nur starken Reizen gegenüber empfindlich, nicht dem zarten Säuseln empfänglich. Sie müssen ja nicht jede Schaufensteranlage mit langem, suchendem, ja wertendem Blick mit ästhetischem Wohlgefallen und kritischem Kopf gegenüberstehen.

Das war falsch. Wir leben nur einmal. Das Fenster ist Teil der Ausstellung. Auch das Fenster ist einer der drei topoi der Malerei: Der Blick nach draußen. Da ist das Schaufenster die Umkehrung eines klassischen Bildes. Da ich nun aber bei der etwas genaueren Erklärung bin: Sie entsinnen sich: Da lag eine Schöne auf einem Diwan, ihre Verbundenheit mit der Irdischkeit demonstrierend. Oder: Fernöstlich; Ein Buddha lagert in all seinem wohligen Volumen inmitten der Mandelblüte. Nein, der wird es nicht. Ach, es ist noch profaner: Ein Penner ist ins Zentrum des Bildes gerückt, eine Vulgarisierung des Paradieses ins Hiersein, Emile Zola hätte sich darüber hergemacht: J'accuse! Ein Penner im Frühling, in jener Jahreszeit, in der es allerorten knospt, blüht und erwacht. Schön. Gott segne ihn.

Wie der Garten kein englisch-natürlicher Garten ist, sondern die Zurichtung der Franzosen auf das geistige Reißbrett, so ist auch das Foto bewußt gesetzt: Wachen Sie auf, gehen Sie, steigen Sie in den Bus, kommen Sie zu uns, da ist's warm. Das Foto zeigt einen Penner in Paris, und anstelle der Himmelspforte ist hinten eine Bushaltestelle: Zeit ist Geld: Eilen Sie.

Naja, ich muß ja nicht übertreiben. Sie sind doch sowieso eingeladen, zum Schauen bestellt, haben sicherlich die Fotoserien, diese Kurzcomics in den Vitrinen gesehen, gelesen, dieses Kommen und Gehen, diese Beobachtungen der Alltäglichkeit, die durch die Vitrine, das klassische Museumsstück, aus ihrer Banalität in die Besonderheit gewechselt wurden.

Das ist ein Kunstgriff seit dem Beginn konzeptueller Kunst, ein Kunstgriff auch, eine Vitrine auf ihre Wirkung zu untersuchen. Es gibt seit der Infragestellung visueller Präsentation schon länger die Auseinandersetzung mit dem Schaukasten. Aber:

Da ist Carine Doerflinger nicht fertig geworden, Sie müssen das entschuldigen, aber nach meiner Rede werden die lästigen Müllsäcke feierlich enthüllt, Sie arbeitet daran, und Sie werden Fotos aus dem Abendakt sehen: eine Hand, ein Arm, ein Kopf. Dann ist das Rätsel des Isidore Ducasse enthüllt, sind unsere Wünsche nach Sehen, nach Schönheit, nach Wissen erfüllt worden. Dann ist der Abend gerettet.

Dann haben Sie den Überblick, dann haben Sie alles gesehen, haben alles gehört, wissen alles, können befriedet auf Ihr Wohl anstossen. Man wird Sie zum letzten Mal fragen: Wie geht's? Geht's gut?

Ich hoffe, es geht Ihnen gut. Von mir werden Sie nichts erfahren.

Ich weiß, eigentlich wollten Sie das auch. Aber ich werde schweigen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Ich werde verdrängen. Denn ich weiß, was Jean Paul Sartre schrieb: Der Künstler ist ein Verdächtiger. Man verdächtigt ihn der Kriminalisierung der Wahrheit. Man muß nicht alles hinterfragen. Man muß nicht alles wissen. Dafür ist die Wissenschaft der Sprachphilosophie, dafür ist die Linguistik, schon kompliziert genug. Und Bilder sind eindeutig.

Die Welt ist schön: et nos in iis.

Einen schönen Ausklang dieses wunderschönen Tages in einer wunderschönen Welt. Sie hören: Ich kann ganz schön kitschig werden.

Dr. Gert Reising, Centre Culturel franco-allemand 6.12.2001




^^ .....................................................................................................


Unverschämt streckt Carine Doerflinger die Zunge heraus, reckt sie, spielt mit ihr, verzerrt sie, läßt sie schweben.

Carine Doerflinger ist schlagfertig. Überbedeutung: das Werk biegt sich unter dem Gesagten.

Nicht nur unter dem, was sie selbst beiträgt, Banales, Klischees, Gemeinplätze, Intimes: ich bin selbst aufgefordert: ich assoziiere, interpretiere...Bei gedecktem Tisch darf ich meine eigenen Worte (Schmerzen) auftragen.

Aber Carine Doerflinger hält ihre Zunge nicht im Zaum.
Überschwenglich schüttet sie sich aus, äußert sich schamlos, sogar obszön.
Diese Zunge (Sprache )ist nicht hölzern, gestelzt, sie ist ein Organ, fleischig, muskulös, verformbar und unstet. Körperlich. Ein Stoff, der Worte hervorbringt,auf die Zunge hat, unbeständig, unter Spannung.

Indem sie gleichzeitig Teil hat am Schlucken und am Reden, vermittelt die Zunge zwischen dem Fleisch und dem Geist, dem Gefühl und dem Ausdruck, der Eingebung und der Intelligenz.

Ganz und gar diesem Spannungsfeld verschrieben, ist das Werk Carine Doerflingers in keiner Hinsicht konzeptuell. Das Konzept, das den Körper als zu empfindsam verleugnet, will verstanden werden; und dieses Verständnis genügt, um es auszuloten.

Im Gegensatz dazu läßt sich der Gedanke hier nicht auf eine Idee, auf eine genaue Botschaft reduzieren, weil er immer verkörpert ist.

Der Körper spiegelt sich in der Zunge wider. Anatomie: Körperkonzept.
Der Körper ist das Werkstück, jederzeit geht es um den Körper, wird offenkundig vom Körper geredet: die Zunge, der Mund... natürlich das Herz, auch die Lungen, die Gefäße, Arterien und Venen; die Haut, die Glieder...
Aber dieses Bild vom Körper - von einem Körper, der niemals stillsteht, sondern immer verbindet - ist immer in Frage gestellt: Carine Doerflinger setzt den eigenen Körper aufs Spiel. Das Werk ist immer in Bearbeitung. Schneidern, Nähen, Weben, Schweißen...

ihr Gedanke geht immer geduldig, beharrlich, arbeitsam ans Werk... manchmal sogar schmerzhaft.Das Gefühl, das sich in den Installationen von Carine Doerflinger ausdrückt, kommt aus dem Austausch zwischen den geistigen Bildern und ihren Abdrücken, die sich im Material abbilden. Die Zunge heraushängen lassen: etwas brauchen, auf etwas warten, etwas entbehren...

Es gibt nichts wegzunehmen im Ausgestellten: Carine Doerflinger ist die beharrliche Arbeiterin einer Bewegung der Sehnsucht.

Bruno Steiner, Meisterausstellung Schloß Bruchsal, Juli 1998
(Übersetzung Armin Osswald)




^^ .....................................................................................................


Mit ihren Objekten, Fotos und Videoarbeiten spricht Carine Doerflinger ganz bewußt Gefühle an, die aus Verletzungen der psychischen und physischen Integrität eines Menschen erwachsen. Die starke sinnliche Präsenz ihrer körperhaften, zugleich vertraut und befremdlich erscheinenden Objekte führt offen oder unterschwellig zu Vorstellungen von Schmerzen und zugleich deren Abwehr. Gerade in der perfekten Verarbeitung der unterschiedlichen von ihr verwendeten Materialien (z.B. Stoff, Latex, Polyester), die sie ihren formenden Vorstellungen unterwirft, wird Zwang als grundsätzliche Gegebenheit versinnbildlicht. Aus Schmerz davor die Augen fest zu verschließen bringt nur momentane Erleichterung.
Carine Doerflingers Bilderwelt bietet ein Wahrnehmungspotential, das seine nachhaltige Wirkung der existentiellen Dimension ihrer Arbeiten verdankt.

Dr. Dorothee Höfert, die Kunstreihe, November 1999